Roque Bentayga

Dem Himmel so nah: Auf dem Roque Bentayga

Vom Flughafen Teneriffa Nord bis zum heiligen Zentrum Gran Canarias – Ein Erfahrungsbericht


Region
Tejeda, Gran Canaria

Strecke
10-13km

Höhenunterschied
ca. 150 m

Level
Mässig

Der Weg ist das Ziel: Die Anreise

Meine Reise zum Roque Bentayga begann nicht erst am Fuße des Berges, sondern in der kühlen Morgenluft des Flughafens Teneriffa Nord (TFN). Für mich als Typ-1-Diabetiker ist jeder Inselwechsel mit ein wenig Planung verbunden. Sicherheitshalber checke ich vor dem Boarding noch einmal den Status meiner MiniMed 780G. Der kurze Hüpfer mit Binter nach Gran Canaria dauert kaum 30 Minuten, doch der Druckausgleich in der kleinen Propellermaschine lässt meinen Guardian 4 Sensor manchmal kurzzeitig reagieren – heute blieb jedoch alles stabil im grünen Bereich.

In Las Palmas angekommen, führte mich der erste Weg direkt zum Cicar-Schalter. Ich schätze die unkomplizierte Abwicklung bei www.cicar.com sehr – kein langes Warten, Schlüsselübergabe und ab zum Mietwagen. Von der Küste aus startete ich die Fahrt ins Landesinnere. Es ist faszinierend, wie sich die Landschaft Gran Canarias innerhalb weniger Kilometer verwandelt: Weg vom geschäftigen Treiben am Flughafen, hinein in die steilen Kehren der Bergwelt. Die Fahrt nach Tejeda verlangt Konzentration, und ich bemerkte, wie das Adrenalin der Fahrt meinen Blutzucker leicht ansteigen ließ – ein typisches Phänomen bei mir, wenn die Serpentinen enger werden.

Roque Bentayga Gipfel

Ankunft im Herzen der Insel

Wenn man die letzte Kurve vor Tejeda nimmt und der Roque Bentayga zum ersten Mal massiv vor einem auftaucht, stockt einem der Atem. Der Monolith steht wie ein Wächter in der Landschaft. Bevor ich den Motor meines Mietwagens am Parkplatz des Informationszentrums abstellte, warf ich einen prüfenden Blick auf meine Pumpe. 165 mg/dL mit einem waagerechten Pfeil. Perfekt. Da der Aufstieg zwar kurz, aber knackig ist, setzte ich das Temp-Ziel meiner 780G auf 150 mg/dL. Ich wollte vermeiden, dass die Pumpe während des Aufstiegs bei einem schnellen Abfall zu aggressiv gegensteuert.

Der Pfad beginnt moderat, ist aber von der ersten Sekunde an spektakulär. Die Luft hier oben auf fast 1.400 Metern ist dünner und deutlich trockener als an der Küste Teneriffas. Ich merkte schnell, wie meine Lunge intensiver arbeiten musste. Schritt für Schritt ging es über den vulkanischen Untergrund. Man passiert uralte Höhlensysteme, die heute fast schon unwirklich erscheinen. Man spürt förmlich die Geschichte der Altkanarier, die diesen Ort als heiliges Zentrum betrachteten.

Die Herausforderung des Aufstiegs

Obwohl die Distanz gering erscheint, fordert die Steigung den Körper. Meine Waden fingen an zu brennen, und ich hielt kurz inne, um den Blick über die Caldera schweifen zu lassen. In der Ferne erkannte ich den Roque Nublo. Der Kontrast zwischen dem azurblauen Himmel und dem ockerfarbenen Fels ist auf Gran Canaria einzigartig. Mein Guardian 4 zeigte mir einen leichten Abwärtstrend – der SmartGuard reagierte prompt und reduzierte die Basalrate. Es ist ein beruhigendes Gefühl, sich in solchen Momenten auf die Technik verlassen zu können, damit man sich voll und ganz auf die Natur konzentrieren kann.

Der schwierigste Teil ist kurz vor dem Gipfelplateau, wo der Weg etwas schmaler und steiler wird. Hier ist Trittsicherheit gefragt. Die Hitze, die vom Fels abgestrahlt wird, ist nicht zu unterschätzen. Ich trank regelmäßig Wasser, um einer Dehydrierung vorzubeugen, die bei mir oft zu unvorhersehbaren Blutzuckerschwankungen führt.

Der magische Moment am Almogarén

Oben angekommen, öffnet sich der Raum. Der Almogarén ist ein Ort der Stille. Ich setzte mich auf einen der flachen Felsen und ließ die Beine baumeln. In diesem Moment fühlte ich mich wirklich dem Himmel so nah. Der Blutzucker hatte sich bei stabilen 120 mg/dL eingependelt – eine Punktlandung. Die Ruhe hier oben ist fast greifbar. Man blickt hinunter in tiefe Schluchten und erkennt kleine weiße Bergdörfer, die wie Spielzeug in den Hängen kleben.

Ich verbrachte fast eine Stunde auf dem Gipfel, einfach nur um zu beobachten, wie die Wolken langsam über die Bergkämme zogen. Es ist dieser Moment der Freiheit, für den ich all die Vorbereitungen mit dem Diabetes auf mich nehme. Die 780G im Hintergrund arbeiten zu lassen, während man selbst nur Gast in dieser gewaltigen Kulisse ist, ist ein Privileg.

📍 Mein persönlicher Tipp für Gran Canaria

„Wenn du mit dem Mietwagen von Cicar unterwegs bist, nutze die Freiheit und fahre nach der Wanderung unbedingt noch in das Dorf Tejeda. Ein kleiner Cortado und ein Stück Mandelkuchen sind dort Pflicht. Aber Achtung: Der Mandelkuchen ist eine echte Kohlenhydrat-Bombe – die 780G wird hier einiges zu tun bekommen!“

Fazit der Tour

Der Abstieg war knieschonend, aber ich merkte den Nachbrenneffekt der Muskeln. Zurück am Auto bei Cicar war mein Zucker immer noch stabil, doch ich wusste: Die Rückfahrt durch die Kurven wird wieder Kraft kosten. Die Kombination aus Binter-Flug, Mietwagen-Tour und der Wanderung zum Bentayga war anstrengend, aber jede Sekunde wert. Es zeigt mir immer wieder: Mit dem richtigen Equipment und einer guten Portion Selbstvertrauen ist auch mit Typ 1 kein Gipfel zu hoch.

780G

Diabetes-Analyse: Bentayga Aufstieg

Höhenluft & Puls

Die dünnere Luft auf über 1.400 m fordert das Herz-Kreislauf-System. Bei mir führt dieser ‚Höhenstress‘ oft zu leicht erhöhten Werten direkt nach der Ankunft am Parkplatz, bevor die Bewegung den Zucker senkt.

Konzentration Autofahrt

Die Fahrt von Tejeda zurück erfordert hohe Konzentration. Diese mentale Belastung verbraucht ebenfalls Glukose. Beende das Temp-Ziel erst, wenn du sicher im Hotel oder am Strand angekommen bist.

Ein wichtiger Hinweis in eigener Sache: Alle hier beschriebenen Abläufe, Pumpen-Einstellungen und Erfahrungen mit meiner MiniMed 780G und dem Guardian 4 Sensor beziehen sich ausschließlich auf meine persönlichen Erlebnisse und meinen individuellen Stoffwechsel. Diabetes ist so einzigartig wie wir selbst – was bei mir funktioniert, muss nicht zwangsläufig auf andere zutreffen. Dieser Bericht dient der Inspiration und dem Erfahrungsaustausch, ersetzt jedoch niemals eine professionelle medizinische Beratung oder die Absprache mit deinem Diabetologen. Bitte passe deine Therapieänderungen immer eigenverantwortlich und in Rücksprache mit deinem medizinischen Team an.

Logo